Mein Geschichte Teil 1 – Eine Idee wird geboren

„Lassen sie mal alle Weizenprodukte weg und schauen sie mal, ob es ihnen dann besser geht“. Waren die Sätze meines Arztes, nachdem ich nach dem Frühstück zum wiederholten Male zusammengebrochen bin. Ich ließ die Weizenprodukte weg, aber besser ging es mir nicht und so wurde es immer mehr, was ich von meinem Speiseplan strich.

Zuerst alle glutenhaltigen Produkte, es erfolgte eine geringfügige Verbesserung. Ich strich auch noch alle laktosehaltigen, sowie fruktosehaltigen Produkte vom Speiseplan. Das alles ging natürlich nicht von jetzt auf gleich, sondern zog sich über mehrere Wochen hin. Je mehr ich weg ließ, um so besser ging es mir. Es war schon erstaunlich festzustellen, was Nahrungsmittel in einem Körper so verursachen können. Die Auswahl an Nahrungsmitteln wurde sehr klein und ich stellte mir die Frage, was ich täglich noch essen soll.

Die laktosehaltigen Produkte konnte ich recht einfach mit laktosefreien Produkten tauschen, doch mit den fruktosehaltigen Nahrungsmitteln war das gar nicht so einfach. Ich konnte kaum glauben, wo überall Fruktose, Zucker, Süßungsmittel enthalten ist.
Vor dem Wurstregal im Supermarkt zu stehen und festzustellen, dass in fast jeder Wurst Zucker verarbeitet ist, konnte ich kaum verstehen. Die meisten Obst und Gemüsesorte wurden unverträglich. Ich fing an, mich durch die unzähligen glutenfreien Produkte zu probieren, doch auch das stellte sich als Herausforderung dar, denn auch hier, man glaubt es kaum, Zucker, wohin das Auge liest. Voll Glück trug ich eine kleine Beute nach Hause, um dort festzustellen, dass das Produkt ohne Gluten, Laktose und Fruktose, mit Genuss absolut nichts mehr zu tun hat. Manches Brot erinnerte mich an einen Bierfilz oder die Konsistenz eines Spülschwammes und nicht an ein Lebensmittel. Unzählige Produkte landeten so im Abfalleimer. Einzig bewährt hatte sich der Reistaler.

Die Beschwerden wurden von Woche zu Woche weniger und es gab es immer noch Nahrungsmittel, die mich aus der Bahn warfen. Der Alltag erinnerte zunehmend an Forschungs- und Detektivarbeit. Erforschung von Wirkung und dann die Ursache finden. Was hatte ich nun schon wieder Falsches gegessen, dass mein Körper derart schlapp machte. Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen usw.
Die Magen-Darm-Beschwerden ließen nach gut einem Jahr deutlich nach, doch bis zu dem Gefühl „es geht mir gut“ schien es immer noch ein weiter Weg. Also ging die Suche weiter, welche Nahrungsmittel für das massive Unwohlsein verantwortlich waren. Ernährungstagebuch führen, beobachten, weiter forschen. Währenddessen immer wieder auf der Suche nach Rezepten, Tipps für den Alltag. Doch das Fatale bei der Sache, für jede Intoleranz ein eigenes Buch, eine separate Webseite usw.

Langsam beschlich mich der Gedanke, die Einzige zu sein, die mehr als eine Nahrungsmittelintoleranz hat. Ich habe das Glück, einen ganz wundervollen Hausarzt zu haben, der mich auf diesem langen beschwerlichen Weg immer sehr gut begleitet hat. Durch das Führen des Ernährungstagebuches und dem Auswerten stellte sich heraus, dass wohl noch eine weitere Intoleranz hinter den Beschwerden steckte. Histamin war der Übeltäter. Wieder Fachbücher lesen, Nahrungsmittellisten wälzen, herausfinden, was noch verträglich ist. In diesem Zusammenhang fiel mir dann auch ein, dass ich vor 16 Jahren schon eine Farb- und Konservierungsstoffunverträglichkeit diagnostiziert bekommen hatte, aber nachdem die Hautausschläge verschwanden, dachte ich nicht mehr groß daran. Heute ist mir klar, dass diese nicht verschwand, sondern sich nur anders zeigte. Weitere Monate später, und viele Fachbücher zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit weiter, stellte sich heraus, dass die Ursache aller Unverträglichkeiten eine Stoffwechselstörung ist, an die in diese Zusammenhang, selten gedacht wird. Kryptopyrrolurie (KPU) sorgt im Körper für einen Vitamin B6 und Zinkmangel. Diese beiden Stoffe sind aber wichtig, damit die Enzyme gebildet werden können, welche zur Verarbeitung von Nahrung notwendig sind. KPU ist mit Mineralstoffen und Vitaminen zu behandeln, durch deren Zufuhr sich noch mal eine deutliche Verbesserung meiner Gesundheit einstellte.

Der Begriff „Nahrungssuche“ hatte für mich inzwischen eine völlig neue Bedeutung bekommen. Es blieben nicht mehr viele Produkte, die im Supermarkt oder Bioladen zu kaufen waren. Selbst ist die Frau erwies sich als neues Lebensmotto, so wie zu Großmutters Zeiten.
Ich wollte nicht länger auf den Genuss in meinem Leben verzichten. Ich brauchte also Rezepte für leckere Gerichte. Nach dem Erforschen vieler Internetseiten, Kochbücher und Rezepte erkannte ich, dass von maximal zwei Unverträglichkeiten ausgegangen wird Mehrfach – Intolerante schienen, etwas Seltenes zu sein. In den Rezepten stand häufig, tauschen sie einfach aus! Nur schien das in meiner Küche grundsätzlich nicht zu funktionieren. Die meisten Backversuche misslangen und die Frustration war groß. Ich fing an zu experimentieren, nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Nach gut eineinhalb Jahren stand der erste Kuchen auf dem Tisch, er sah aus wie ein Kuchen, er roch wie ein Kuchen, er schmeckte wie ein Kuchen! Keine Brösel, nicht verbrannt, gut aussehend und lecker. Die Kuchen und Gerichte wurden immer besser und das Entwickeln von neuen leckeren Backwerken und Gerichten meine Leidenschaft.

Ich wollte meine Ergebnisse und Erfahrungen mit anderen Intoleranten teilen.

 

One Reply to “Mein Geschichte Teil 1 – Eine Idee wird geboren”

  1. Hi Tine,
    mir ging es ganz ähnlich… die Urlaubsvertretung meines Hausarztes konnte vor vielen Jahren nicht glauben, dass ich eine Blinddarmentzündung „nicht bemerkt“ hatte bzw sie in den „normalen“ Bauchschmerzen untergegangen war… daraufhin haben wir gemeinsam das Forschen angefangen und bei mir war die erste Entdeckung die Laktoseunverträglichkeit. Nie werde ich vergessen wie der Gastroenterologe bei der Auswertung kopfschüttelnd sagte: So etwas hab ich noch nie gesehen, sie haben tatsächlich eine 100%ige Laktose-Unverträglichkeit. Leider funktionieren bei mir die laktosefreien Produkte nicht… ein Kinesiologe hat mir dann noch das Nichtvertragen des Milcheiweißes als Erklärung nachgeliefert…. tja und so nahm es dann auch bei mir seinen Gang 🙂
    Ich freu mich auf weiteren regen Austausch!
    Sandra

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