Und wie lebt es sich mit Intoleranz?

„Nur weil uns ein Stück vom Glück fehlt, sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, alles andere zu genießen! „(Jane Austen)

Dieses Zitat ist mir relativ zu Beginn meines Lebens mit Nahrungsmittel-Intoleranz begegnet und ich dachte mir, ja es stimmt!
Nur weil ich nicht mehr alles essen kann, sollte ich mich nicht davon abhalten lassen, all das, was ich noch essen kann und vertrage, zu genießen.
Doch so einfach sollte es nicht sein.

Oft verbringe ich pro Woche einige Stunden mit der „Nahrungssuche“. Dieser Satz mag dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, stehen doch im Supermarkt die Regale voll mit Nahrung. Nur leider meist für mich Unverträgliche. Im Senf der Zucker, also Fruktose. In der Wurst das Weizenmehl, also Gluten. Im glutenfreien Brot die Hefe und Milchzucker, also auch nicht verträglich. Ich wandere weiter um glutenfreies Mehl zu kaufen, aus dem ich mir mein Brot backen kann. Doch das Regal ist leer! Ich denke mir: „Da stehe ich in einem riesigen Laden mit unglaublich vielen Produkten und doch ist keines für mich verträglich.“ Uns so geht die „Nahrungssuche“ weiter. Nächster Laden, weitere Regale. Hilfreiche, nett gemeinte, Tipps von Verkäufern, ich solle mir doch immer einen kleinen Vorrat hinstellen, quittiere ich mit einem Grinsen.

Im Arbeitszimmer der Zweitkühlschrank, nicht gerade ökologisch aber dringend notwendig, um die Sahne, die ich palettenweise kaufen muss, da ich sie einzeln nicht bekomme, zu lagern. Platz für die fünf Vorratstüten Milch, das selbst gebackene Brot, Marmelade, Pesto und Kuchen. Im Flur den Vorratsschrank mit mindestens fünf Tüten Mehl, glutenfreie Nudeln usw. Wenn ich wirklich noch mehr Lebensmitteln lagern möchte, dann wäre es sinnvoll, gleich einen Laden zu eröffnen.
Es ist unglaublich, wie viel Zeit man auf einmal benötigt, um Zutatenlisten auf Packungen zu lesen, mehrere Geschäfte zu besuchen, den Wocheneinkauf zusammenzubekommen und letztlich jede Mahlzeit frisch zuzubereiten.
Der Wunsch einfach in einen Supermarkt zu gehen und diesen mit vollem Wagen zu verlassen, in dem alles drin ist, was man benötigt, taucht immer wieder auf.
Am Abend schnell die Pizza in den Ofen schieben, Dose aufmachen, gibt es nicht mehr.
Das war einmal…

Das Leben beginnt sich zu verändern.
Lebensmittel gleich Mittel zum Leben, Kraft und Energielieferant?
Genau so sollte es sein. Doch die Nahrungsmittel-Intoleranzen sorgen dafür, dass die bisherigen Lebensmittel nicht mehr verträglich sind. Oder sorgt eigentlich die Nahrungsmittelindustrie durch veränderte Produktionen, Konservierungsstoffe, E-Nummern usw. dafür?
Die Frage, warum dies so ist, ging mir immer wieder durch den Kopf.
Immer häufiger führte mich die Nahrungssuche in den Bioladen. Auch hier noch viele Produkte, die für mich unverträglich sind, doch auch viele, die ich kaufen kann.

Ich begann, um zu denken, mir Gedanken über Herstellungs- und Produktionswege zu machen. Anbauweisen von Produkten zu hinterfragen und immer mehr veränderte sich nicht nur mein Leben, sondern auch meine Einstellung zu Vielem. Essen und Nahrungsmittel bekamen einen anderen Stellenwert in meinem Leben.
Ich kaufe bewusster ein, esse bewusster und lebe bewusster. Nehme die Umwelt um mich herum, anders war. Dass was ich esse, wirkt sich nachhaltig auf meinen Alltag aus. Oft fehlt die Zeit und auch die Lust, immer frisch zu kochen, schnell wird etwas Unverträgliches gekauft und gegessen. Die Reaktion und die Unzufriedenheit meines Körpers darüber, die unmissverständliche Antwort darauf.
Fragen wie: „Es wäre doch schön, wenn du wieder alles essen könntest?“ Muss ich ganz ehrlich mit dem Satz beantworten: „Ich weiß gar nicht, ob ich das was ich früher gegessen haben, heute überhaupt noch essen möchte.“

In einem Fachbuch las ich folgendes Zitat:
„Eine Ernährungsumstellung ist eine Umstellung der Einstellung.“
(Dr. med. Konrad Werthmann)

Es geht nicht darum, den Speiseplan zu verändern, Nahrungsmittel auszutauschen. Meist ist die Intoleranz nur ein Symptom, jedoch nicht die Ursache.
Ich habe den Eindruck, dass der schnelle Wandel der Zeit, die Geschwindigkeit in der wir Leben, nicht gerade dazu beiträgt, dass unser Körper und unsere Seele im Einklang sind.
Döner, Mc Donald und Co, schnell, im Trend, unkompliziert, doch auch gesund?
Die Zeiten, in denen man in der Küche steht, die Karotte in den Händen hält, dies schält, Gemüse putzt, zerschneidet, darüber nachdenkt, wo sie angebaut wurde, wie sie behandelt wurde, gedüngt, gespritzt, wer hat diese Zeit schon noch? Oder sollte die Frage sein: „Wer nimmt sich diese Zeit schon noch?“
Zeit den Tisch zu decken, gemeinsam mit Partner und Familie zusammenzusitzen, über den Tag zu sprechen und das Essen zu genießen, ohne TV, Gameboy, IPhone?
Ich habe meine Nahrungsmittel-Intoleranzen als Anstoß wahrgenommen, mein Leben zu verändern. Bewusster zu leben, einzukaufen, zu essen. Ich muss zugeben, es ist in der heutigen Zeit nicht einfach, doch aus meiner Sicht gesünder, lebenswerter und vor allem nachhaltig. Ich kaufe nicht mehr „billig und günstig im Supermarkt“, gehe in den Biomarkt und lese, woher die Produkte kommen, ob sie regional sind, ob sie saisonal sind und so ändere ich, Stück für Stück, mein Leben. Veränder mein Einkaufsverhalten und meine Einstellung.
Oft ist das nicht leicht, weil einiges doch deutlich teuer ist, oder ist der Preis eigentlich normal und nur die Supermarktprodukte „zu billig“?
Ich denke mir: „Ja, Bio ist gut, nur leider ist mein Gehalt noch nicht bio.“
Doch da wo es für mich möglich ist, möchte ich die Veränderung leben, es anders machen als bisher. Mir mehr Gedanken über die Umwelt, die Natur, die Produkte und die Gesundheit machen. Ich überlege, wo und wie ich etwas verändern kann.
Den Mehrwert in meinem Leben finden und leben, die nachhaltige Veränderung für mich und auch für mein Umfeld sein.
In der Auseinandersetzung mit dieser ganzen Thematik bin ich auf der „Bio erleben“ in Nürnberg auf BLUEPINGU gestoßen. Ein Verein in der Region Nürnberg, der den kleinen Unterschied macht. Die Aktivitäten des Vereins fielen mir immer mehr auf, und um so mehr ich mich mit meiner Umwelt und der Veränderung in meinem Leben auseinandersetzte, um so häufiger stolperte ich über Veranstaltungen von BLUEPINGU.
Mich beeindruckte die Motivation, die Dinge im Kleinen zu verändern und so einen Stein ins Rollen zu bringen. Die Offenheit und Freundlichkeit, die die „Pingus“ im Kontakt zu anderen, an den Tag legten.

Ich möchte allen Menschen mit Nahrungsmittel-Intoleranz Mut machen, sich aufzumachen, neue Wege zu gehen, neue Gedanken zu denken und im Kleinen sich und die Welt zum Positiven zu verändern. Sicher stellt es eine große Umstellung dar, fühlt sich ungewohnt und komisch an, doch ich finde es ist ein Wandel, ein Umdenken, eine Veränderung, zu der wir ohne diese Intoleranz doch gar nicht bereit gewesen wären. Oder?

Nach zwei sehr steinigen Jahren kann ich heute sagen, es war und ist ein Gewinn, dass alles so kam.
Ich habe mein Leben verändert, viele Sichtweisen über Bord geworfen, mein Einkaufsverhalten in neue Richtungen gelenkt und mein Körper dankt es mir in der Form, dass ich wieder mehr Lebensmittel vertrage.
Ich bin Mitglied bei BLUEPINGU geworden, machen selbst den Kleinen unterschied und bin vielleicht auch ein Stück „Weltveränderer“ geworden.

Es lohnt sich! Mach dich auf den Weg!
Und natürlich klappt das auch ganz ohne Nahrungsmittel-Intoleranz!

4 Replies to “Und wie lebt es sich mit Intoleranz?”

  1. Hallo Kerstin,
    deine Seiten sind mit viel Liebe und Lebensfreude aufgebaut. Da ich selber an Zöliakie und Laktoseintoleranz leide, kann ich so einiges nur mit einem absoluten “ ja so ist es “ bestätigen. Deine Seite lädt wirklich dazu ein mit diesen Thema verantwortungsvoll umzugehen und zwar nicht nur die Betroffenen, dies finde ich einfach nur spitze. Bitte mach weiter so. Ich glaube, dass viele Leidensgenossen dir dies danken werden. Alles gute für die Zukunft.
    Herzlichst Esther

    • Hallo Esther!
      Vielen Dank für deine positive Rückmeldung!Ich werde weiter machen und mein Ziel ist es möglichst viele mit der Lebensfreude anzustecken 🙂
      Dir wünsche ich auch alles Gute!

  2. Hallo Tine,
    das ist super was Du machst. Deine Energie scheint ja fast schon unbändig zu sein. Super Super Super. Mach weiter so.
    Ich finde es toll, dass Du aus Deiner eigenen Sache eine Geschäftsidee geboren hast und auch umsetzt.

    Mein eigener Blog ist auch aus einer ähnlichen Situation entstanden. Wer weiß, vielleicht wird es den Kochtrotz auch mal in real geben. 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

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