Die Nase arbeitet mit

„Geruchsbelästigung, Asthma und Allergien im beruflichen Alltag.

Ich habe ein Problem das man mir nicht ansieht. Meistens jedenfalls nicht. Und auch dann, wenn es akut wird, ist es nicht beeindruckend. Ich falle bei einem Asthmaanfall nicht ohnmächtig zu Boden. Mein Kopf wird nicht blau und ich schnappe auch nicht nach Luft. Es fühlt sich einfach so an, als würde jemand meine Brust zusammendrücken. Auf Höhe des Schlüsselbeines. Als würde jemand auf mir sitzen und einfach nicht mehr runter gehen.

Ich habe dieses Problem seit der Abiturzeit. Ich war bei verschiedenen Pneumologen, habe einen tollen Hausarzt und verschiedene Sprays die ich manchmal jeden Tag nehmen muss oder nur im Notfall. Bei Asthma Bronchiale ändert sich das häufig mal.

Eine große Veränderung gab es als ich Schwanger wurde.

Als erstes erkundigte ich mich, ob ich als Schwangere noch Kaffee trinken darf (ja). Der nächste Gedanke war mein Asthmaspray. Ich brauche es nicht oft, aber wenn ich es brauche dann ganz dringend. Zunähst habe ich gegoogelt und mein Hausarzt hat die Erkenntnis bestätigt: Das Notfallspray sollte man während der Schwangerschaft nicht verwenden, denn ein Wirkstoff daraus ist plazentagängig (tolles Wort) und könnte also das Kind beeinträchtigen und im schlimmsten Fall Wehen auslösen (nicht gut). Ganz verboten ist das Spray in dem ersten und dem letzten Schwangerschaftsdrittel.

Jetzt wurde mein Problem zu einer Angst.

Ich kann im Alltag die Reizauslöser einigermaßen vermeiden. Wir haben in unserer Wohnung (Kosmetika, Putzmittel, Waschmittel, etc.) eigentlich nur parfumfreie Produkte. Das klappt alles recht gut.

Schwierig wird es, sobald andere Menschen dazu kommen. Selbst Familienmitglieder gucken befremdlich, wenn ich sie bitte, ein bestimmtes Deo oder Duschgel nicht zu benutzen, wenn wir gemeinsam Zeit verbringen (oder – noch schlimmer – im Urlaub ein Bad teilen). Doch hier kann man argumentieren und schlussendlich auch Verständnis bekommen.

Unmöglich ist das im beruflichen Alltag. Ich treffe mich fast jede Woche mit fremden Menschen. Das sind entweder Kunden oder Kooperationspartner. Jedenfalls sind das keine Leute, die man vor dem Termin bittet, doch noch einmal duschen zu gehen, um das Parfum abzuwaschen. Das geht einfach nicht. Ich habe es mich noch nie getraut. Vielleicht liegt das auch daran, dass selbst einige, mit denen ich regelmäßig zu tun habe, keine Rücksicht auf mich nehmen, was Zigarettenrauch anbelangt (ja, der bleibt in der Kleidung und in den Räumen hängen, ja, ich rieche das, ja, es stört mich).

Ich frage mich, wie ich das Problem langfristig lösen kann. Denn jeder Asthmaanfall kostet mich Nerven und Arbeitszeit. Der Rest des Tages ist gelaufen. Ich bekomme schlechte Laune und möchte am liebsten schlafen.

Da ich selbstständig bin, gehen alle diese Probleme auf meine eigenen Kosten. Was ich heute nicht erledige, muss ich eben morgen in der Nachtschicht machen. Ganz einfach.

Am meisten ärgert mich daran, dass so viele davon betroffen sind. Ich habe gelesen, dass es in Deutschland 500.000 Menschen gibt, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, weil sie auf die Chemikalien, die uns alle jeden Tag umgeben, allergisch sind. So schlimm ist es bei mir zum Glück nicht, aber ich bin mir sicher, dass es zwischen der halben Million Menschen, die zu Hause eingesperrt sind und mir noch eine ganze Menge an Abstufungen dieser Krankheit gibt. Menschen, die in der Stadt einen Bogen um die Eingänge von Parfumerien machen. Die es nicht aushalten, einen Elektromarkt zu besuchen. Menschen, die sich fragen, wie sie ein Gebäude betreten sollen, vor dessen Eingang eine Horde Raucher steht. Menschen, die Schwanger sind und sich ohnehin schon genug Sorgen um das Ungeborene in ihrem Bauch machen.

Mein Kind ist gesund auf die Welt gekommen. Ich habe es geschafft, während der Schwangerschaft mein Notfallspray nicht zu benutzen. Asthmanfälle kann man wegatmen, wenn man weiß wie. Das sieht aber Scheiße aus und macht Geräusche – fühlt sich also genauso doof an, wie die Bitte an die Kollegen, das Parfum wegzulassen.

Ich frage mich, wie ich meine Situation verändern kann. Wie fändet Ihr es, von einem Geschäftspartner vor einem Treffen eine Mail zu bekommen, in der steht, dass Geruchsbelästigung bitte vermieden werden soll?“

Dieser Text erreichte mich vor einigen Tagen mit der Frage, ob ich ihn nicht als Gastbeitrag veröffentlichen möchte.Da ich auch davon betroffen bin, stelle ihn ihn sehr gerne online und möchte ihn noch etwas ergänzen.

Ich selbst reagiere auf Putzmittel, Duftstoffe, Räucherwerk, Duftöle, Parfum usw. Mal mehr mal weniger, gerade in der Pollensaison mehr, da das ganze Atemwegssystem eh schon gereizt ist. Auch ich habe mir darüber schon so einige Gedanken gemacht

Manche Menschen trifft es an dieser Stelle noch härter. Sie reagieren sehr sensibel auf chemische Stoffe. Ob Duftstoffe, Putzmittel, Teppichböden usw. Inzwischen hat das ganze auch einen offiziellen Namen: Multiple Chemikalien Sensitivität – kurz MCS.

MCS ist ein Krankheitsbild der chronischen Multisystemerkrankung (CMI). Umweltmedizinische, toxikologische und sozialpolitische Aspekte spielen hier eine Rolle.

In dem medizinischen Fachbuch Multiple Chemikalien-Sensitivität von Hans-Ulrich Hill, Wolfgang Huber, Kurt E. Müller wird ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand und die Zusammenhänge geworfen.

Es wird in meiner Arbeit immer wieder deutlich, dass die Thematik unglaublich komplex ist. Von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronischer Erschöpfung, Nebennierenschwäche und Sensibilität gegenüber chemischen, teils auch natürlichen Stoffen, Wohngifte, künstliche Fingernägel, Weichmacher. Viele Einflüsse die unser System beanspruchen. All das was auf uns „eintrifft“ gilt es zu verarbeiten, entgiften, entsorgen, umzuwandeln.

Es wundert nicht, wenn das System Körper irgendwann eine Fehlermeldung ausspuckt und kommuniziert, die Ressourcen sind erschöpft.

All das, was an Giftstoffen / Umweltgiften nicht in mich, an mich kommt, muss das System Körper auch nicht verarbeiten, die Energie wird nicht verbraucht und steht mir anderweitig zur Verfügung. Ich selbst kann an vielen Punkten über mein Handeln entscheiden. Ob ich bestrahlte Gewürze verwende oder nicht, ob es das super-gut-duft-PutzProdukt sein muss, oder ob es einfach und geruchsneutral nicht auch tut. Ich entscheide darüber ob meine Wäsche im Weichspüler ertränkt wird, oder ob sauber völlig ausreicht. Es liegt an vielen Stellen in meiner Hand die Dinge zu verändern. An erster Stelle steht für mich das Verständnis für Menschen die dadurch ein Problem haben und die Rücksichtnahme. Wenn jeder bei sich anfängt kann sich schon viel verändern.

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