Warst du als Kind zu dünn, ein schlechter Esser?

Mindfulleating

Warst du als Kind zu dünn, ein schlechter Esser?
Hast du dich viel bewegt, warst lebendig und ein quirliges Wesen?
Hast du immer nur so viel gegessen, wie du gerade für dich gebraucht hast?
Hat man dir immer wieder gesagt, „Kind du musst essen, an dir ist ja gar nix dran.“
„Ess noch was, damit was aus dir wird.“
Vielleicht wars du auch häufig erkältet und ein wenig blass?

Vielleicht war es bei dir auch genau anders herum, du wars zu kräftig und man hat dir immer und immer wieder gesagt, hör auf zu essen, du musst abnehmen.
Vielleicht hast du manchmal einfach kein Essen bekommen, auch wenn du Hunger hattest?

Hast du die Sätze heute noch im Kopf?

Obwohl du inzwischen Übergewichtig bist? Oder Untergewichtig bist?
Hast du das Gefühl, du hast einen Ess-Zwang, ist das Thema Essen und Gewicht für dich mit einer Schwere verbunden?
Ist es ein Kampf mit den Kilos? Und egal was du tust, es verändert sich einfach nicht?

Hat man dir irgendwann schon mal gesagt, du hast eine Ess-Störung?

Du musst dein Gewicht dringend verändern?
Du musst einfach nur das richtige Essen und dich bewegen und dann wird das schon?
Hast du all das schon mal ausprobiert – und es wurde so gar nichts – außer dass du dich furchtbar falsch,
unfähig und mies gefühlt hast?

Ich kenne das!

Meine Ausbildung zur Ernährungsberatung 2012 hat mir 25 kg mehr auf der Waage beschert, habe ich damals doch gelernt, wie man vermeintlich RICHTIG zu essen hat.
Natürlich hat man da auch gelernt, wie FALSCHES essen funktioniert.
All das führt dazu, dass ich eigentlich oft gar keine Lust mehr auf ESSEN hatte und es mich tierisch genervt hat, wenn Menschen um mich herum gegessen haben, vor allem wenn es geräuschvoll war.
Alle und jegliche Versuche mein Gewicht zu reduzieren führten eher dazu dass es mehr wurde und ich immer gestresster mit dem Thema.
Meine Nahrungsmittelunverträglichkeit verschaffte mir an vielen Stellen den Raum ESSEN ablehnen zu können mit dem einfachen Satz, „Das vertrage ich nicht., das darf ich nicht essen.“ Warum also sollte ich das aufgeben und wieder alles Essen können. Das wollte ich ja gar nicht.

Ob es die Nachmittagseinladung zu Kaffee & Kuchen oder der Grillabend war, oder das Treffen mit Freunden, eigentlich ging es auch immer ums Essen und das Gegenüber war gekränkt oder gar beleidigt, wenn man sage, danke nein, ich habe gerade keinen Hunger. Es wurde immer erwartet, dass man etwas isst.
Anderseits wurde man kritisch beäugt, weil man ja schon ein wenig arg füllig geworden ist.

Lebensfreude

Über die Jahre hat mich das Thema tatsächlich immer mehr gestresst und ich habe mich immer mehr bewertet und falsch für meine Unfähigkeit gemacht, Gewicht zu reduzieren,
obwohl ich als Ernährungsberaterin ja wohl wisse, wie man das macht.

Das Thema hat mich immer mehr beschäftigt und ich merkte das ich mich dem Essen – fast zwanghaft – verpflichtet fühlte.
Das Gefühl – MAN MUSS ESSEN! Ich muss essen.

Ich begann mich auf die Suche nach dem Ursprung dieser „ESS-STÖRUNG“ zu machen und merkte mehr und mehr das ich ein völlig GESTÖRTES VERHÄHLTNIS zum ESSEN habe.
Es ist für mich verbunden mit einem Zwang es tun zu müssen. Keine Wahl zu haben! Dem ausgeliefert zu sein.

Nun, ich bin fündig geworden, der Ursprung hat sich aufgetan, ein bisschen wie der Abgrund, wie eine Hölle.

Als Kind war ich dünn, quirlig, bewegt. Schon nach der Geburt war ich – so erzählte man mir immer wieder – kein Fan von Essen.
Für meine Eltern ein Akt mich zu füttern, der wohl schon damals mit Gewalt von statten ging. Zumindest sagte mir meine Oma später, dass wenn ich gefüttert wurde, sie immer
wenn sie zu besuch waren, gegangen sind, weil sie Angst hatten, ich ersticke am Essen.

Auf Reisen

Mit 5,5 Jahren befand man ich bin zu dünn, war häufig mit Pseudo-Krupp krank, eine Kur täte mir gut.
Also wurde mir eine Kinderkur verordnet und ich wurde das erste mal verschickt.

Alleine, ohne meine Eltern für 6 Wochen nach Bad Oeynhausen – in ein Kindersanatorium.
Dort sollte was aus mir werden, Gewicht sollte ich zunehmen.
An viel kann ich mich nicht erinnern, was ich noch weiß: Ich habe viel geweint und wusste nicht was ich dort sollte.
Meine Eltern haben mich weggegeben zu fremden Menschen und ich wusste nicht, ob ich meine Eltern jemals wieder sehen werden.
Natürlich dachte ich, sie mögen mich nicht mehr. Wahrscheinlich war ich nicht lieb.
Die ersten Tage war ich verzweifelt, hatte Angst, hab geweint. Irgendwann hab ich damit glaub ich aufgehört und einfach aufgegeben.
Zwar bekam ich immer wieder Post vorgelesen, von meinen Eltern, von lustigen Postkarten, verstanden hab ich das alles nicht.
In der Nacht, in einem Schlafsaal mit vielen Kindern war es dunkel, kalt und einsam.

Wir mussten viel Essen, egal ob wir hungrig waren oder nicht.
Wir MUSSTEN ESSEN – wurde dazu gezwungen aufzuessen und am Abend gab es zusätzlich noch mal was zu essen.
Wer gegessen hat war brav. Wer zugenommen hat, hat alles richtig gemacht.
Wer nicht gegessen hat war böse und falsch und wurde bestraft.

Ob ich zugenommen habe, weiß ich nicht.
Was ich aber inzwischen weiß ist, dass mich diese 6 Wochen für mein Leben geprägt haben.
Um zu überleben, um ein liebes Mädchen zu sein, um richtig zu sein, MUSS MAN ESSEN.
Mein Kopf und mein Körper haben sich das gut gemerkt.
Man muss richtig und viel essen! Zunehmen ist richtig!

In meiner 2. Kur mit 8,5 Jahren hatte ich viel Empathie für die, die an den Tischen fürs Zunehmen saßen. Sie taten mir sehr leid, weil ich genau wusste, wie sich das anspürt,
wenn man Essen muss, auch wenn man keinen Hunger hat.
Damals durfte ich normale Portionen Essen, es bestand jedoch auch hier der Zwang zum Essen. Das was auf dem Teller war musste aufgegessen werden.

In meiner 3. Kur mit 12,5 Jahren hatte mein Körper offenbar gut gelernt zu essen, zuzunehmen, anzusetzen, denn da war man dann der Meinung, ich bin zu FETT und müsse dringend 12 Kilogramm abnehmen.
So wurde ich den ABNEHM-Kindern zugeteilt, reduziertes Essen, viel Salat und Quark, täglicher Frühsport, damit die Kilos purzeln.
Brav – man wollte ja keinen Ärger mit den Betreuern – machte ich mit.
Völlig verwirrt, sollte ich doch immer essen wegen dem Gewicht und jetzt war das falsch?

Leider hat meiner Körper sich das mit dem Zunehmen gut eingeprägt und wohl seinen Stoffwechsel so ausgelegt, dass dass immer funktioniert, auch mit wenig essen.
Jede Faser die ich aß wurde offensichtlich zu Kalorien verarbeitet.
So nahm ich unter Sportprogramm und Diätkost zu. UNDENKBAR!
Sehr regelmäßig wurde mein Bett und Schrank kontrolliert ob ich Süßigkeiten versteckte, mir unterstellt, ich würde heimlich essen usw.
Ich war FALSCH ganz klar und wurde dafür beschimpft, bestraft, weil ich nicht abnahm.

Seither habe ich Übergewicht und zahllose versuche mein Gewicht zu reduzierte sind gescheitert.
Das Gefühl Falsch zu sein, unfähig zu sein, machte sich mehr und mehr breit.

Bis ich auf meiner Suche nach den Ursachen auf das Thema der Verschickungskinder gestoßen bin und unzählige Erfahrungsberichte gelesen haben.
Von ESSzwang und ESSENSentzug. Von Bestrafung, Demütigung und Gewalt. Vom Versagen und FALSCH-sein.

DU MUSST ESSEN – ist in meinem System wie eingebrannt und jegliche Versuche das zu verändern gescheitert.

Mir wurde mehr und mehr klar, dass dies wie eine Programmierung ist, die sich nicht so einfach löschen lässt, denn damals – mit 5,5 Jahren – ging es für mich ums
Überleben.
Heute weiß ich, dass das es die Ursprünge meines heutigen Problems sind. Das Gefühl das Essen für mich mit Zwang verbunden ist, hat dort seinen Ursprung.
Jetzt wo ich es weiß, kann ich es verändern, auflösen, das Programm löschen.
Jetzt weiß ich, das mich keine Schuld trifft, dass es nicht an meiner Unfähigkeit liegt, das ich nicht falsch bin.

Selbstbewertung

Heute weiß ich, dass ich Gewalt erlebt habe, dass ich gezwungen wurde, das ich damals keine Wahl hatte.
Heute weiß ich, das es teil meiner Traumatisierung ist und das Übergewicht eine Traumafolge.
Heute weiß ich, es ist VORBEI!
Heute weiß ich, ich habe überlebt!
Heute weiß ich, ich habe WAHL. Wahl darüber wann, wie und wieviel ich essen möchte.
Heute weiß ich ,dass ich all das los lassen kann.
Heute weiß ich, das ich kein Opfer mehr bin, sondern Wahl habe.
Heute ist der Zeitpunkt, an dem die Dinge sich wandeln können.
Heute ist der Zeitpunkt, an dem Essen mit Freude, Spaß, Leichtigkeit und Genuss mein Leben bereichern darf.

Vielleicht findest du dich in meiner Erzählung wieder.
Vielleicht ist es auch für dich ein Thema.
Vielleicht bist du auch eines dieser Verschickungskinder, das ein völlig gestörtes Verhältnis zum Essen hat.

Vielleicht ist es auch für dich an der Zeit, daran etwas zu verändern?

Gewahrsein

Lass uns drüber quatschen.
Ich freu mich auf DICH!

 

Mehr zum Thema Verschickungskinder findest du hier:  Verschickungsheime und auf Facebook: Verschickungskinder Deutschland

❤️Gerne unterstütze ich dich und deinen Körper auf dem Weg – FREI – von all dem Zwang zu sein.❤️

 

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